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Das beste Muttertags-Geschenk der Welt

10. Mai 2024

Am zweiten Sonntag im Mai ist Muttertag. Und jedes Jahr wirft dieser Tag die gleichen Fragen auf:
Ist der Muttertag überhaupt noch zeitgemäß? Was ist mit dem passenden Geschenk zum Muttertag? Sollte es etwas Selbstgemachtes sein? Sind Blumen und Pralinen okay?...

Reicht eine Kleinigkeit, oder muss da nicht etwas Aufwändigeres her? Wenn der Geschmack der beschenkten Mama getroffen ist, wird sie sich bestimmt über das Geschenk freuen. Aber was ist, wenn nicht?

Weshalb es sich lohnen kann, Deine Pläne für das passende Geschenk zum Muttertag nochmal auf den Prüfstand zu stellen, davon handelt dieser Blog-Artikel.

Blumen sind keine Währung für enttäuschte Erwartungen

Wenn Du für Deine eigene Mutter (oder stellvertretend für die Mutter Deiner Kinder) ein Geschenk zum Muttertag planst, kann es sein, dass Du damit eine Hoffnung verbindest.

  • Vielleicht möchtest Du etwas wiedergutmachen?
  • Wünschst du Dir, das Geschenk möge aufwiegen, was sich im Lauf eines Jahres auf dem Gefühls-Konto an enttäuschten Erwartungen angesammelt hat?
  • Möchtest Du Dein schlechtes Gewissen beruhigen?
  • Du würdest gern bei der Beschenkten große Freude und Dankbarkeit sehen, damit Du weißt, dass alles gut ist zwischen euch?

Sorry, das kann nicht funktionieren. Gefühle kann man nicht kaufen. So einfach ist das.
Und trotzdem ist der Muttertag ein guter Anlass, etwas für Deine Mutter (oder für die Mutter Deiner Kinder) zu tun. Hier kommt eine Idee zum Muttertag aus meiner psychologischen Praxis für Dich. Ich habe mich auf die Begleitung von Müttern spezialisiert und arbeite seit 2010 in eigener Praxis und in unterschiedlichen Feldern der sozialen Arbeit mit Müttern, Elternpaaren und Familien. Ich kenne die Sehnsüchte und Stoßseufzer von Müttern, und ich weiß auch, welcher Erwartungsdruck auf dem Thema lastet.

Mit Selbstcoaching zum passenden Muttertags-Geschenk

Achtung, jetzt wird´s interessant: Bei diesem Vorgehen geht es zuallererst NICHT um die Mutter, die beschenkt werden soll. Es geht um DICH! Stell Dich selbst in den Mittelpunkt, wenn Du Dein Geschenk zum Muttertag planst. Frage Dich:

  • Was bewegt mich, wenn ich meiner Mutter (oder der Mutter meiner Kinder) etwas schenken möchte?
  • Welche Wünsche habe ich als schenkende Person, wenn ich an die mögliche Reaktion der Beschenkten denke?
  • Wie geht es mir beim Aussuchen und Planen? Was daran fühlt sich angenehm an?
  • Was ist eine mögliche Sorge, eine Befürchtung von mir?

Nimm Dir einen Augenblick Zeit und notiere alles, was Dir dazu durch den Kopf geht.  
Sei neugierig, welche Empfindungen sich in Dir melden. Achte vor allem auf die leisen Töne, auf Signale aus Deinem Körper, wie Bauchgrummeln, Kribbeln oder Veränderungen in Deiner Atmung oder Deiner Körperspannung. Alles ist nützlich, weil es Dir dabei helfen kann, mehr bei Dir selbst anzukommen.

Noch ein Tipp für Dich: Schreibe wirklich alles auf, auch wenn Dir etwas nicht logisch erscheint oder wenn Du nicht sicher bist, ob das, was Du fühlst, wirklich mit der Fragestellung zusammenhängt. So umgehst Du die Falle, dass Dein Verstand Dir einen Streich spielt und Deine Wahrnehmungen vorschnell aussortiert. So als ob Du Deine Gedanken durch einen inneren Kaffeefilter gießen würdest und nur das durchgelassen wird, was Dein Verstand als nützlich erachtet. Deine Liste darf gerne umfangreich sein! Unpassendes durchstreichen kannst Du später immer noch.

Das Beispiel: Lisas Liste

Schau Dir jetzt an, was auf Deiner Liste steht. Vielleicht geht es Dir so ähnlich wie Lisa, von der diese Liste stammt:

"Ich denke an die schönen Urlaube, die ich mit meiner Mutter verbracht habe, als ich noch ein Kind war. Da sind wir gern gemeinsam zu Trödelmärkten gegangen und haben in alten Sachen gestöbert. Oft hat sich meine Mutter dann eine Vase gekauft. „Ist ein Geschenk für mich selbst!“ hat sie lachend dazu gesagt. Sie hat Antiquitäten immer noch gern, vielleicht finde ich eine hübsche alte Vase für sie zum Muttertag?
Bei dem Gedanken tut mir etwas weh. Ich vermisse meine Mutter und diese schönen Zeiten mit ihr. Seitdem ich selbst Mama bin, gibt es viele Missverständnisse zwischen uns. Wenn ich sie anrufe, fragt meine Mutter eigentlich nur noch nach meiner Tochter. Wie es ihr geht, was sie macht, ob sie ihr einen neuen Body kaufen soll… So als ob ich auf einmal nicht mehr wichtig wäre, nur noch das Enkelkind. Richtig ärgerlich werde ich dann.
Ich zögere, meiner Mutter etwas zum Muttertag zu schenken, weil ich Angst habe, sie könnte mein Geschenk gar nicht wichtig finden. Vielleicht ist es so wie die letzten Male, als wir uns gesehen haben, und es dreht sich alles nur um das Enkelkind? Da bin ich schon jetzt traurig und sauer, wenn ich mir das vorstelle…"

Was kann Lisa mit ihren Notizen jetzt anfangen? Sie könnte zum Beispiel ihrer Mutter eine Karte schreiben und ihr sagen, dass sie die alten Zeiten vermisst, als es nur sie beide gab, zusammen auf dem Trödelmarkt. Sie könnte ihrer Mutter mitteilen, dass sie sich wünscht, wieder mal Zeit mit ihr zu verbringen, ohne dass es dabei nur um die kleine Tochter geht. Vielleicht wäre eine gemeinsame Unternehmung zu zweit ein gutes Geschenk? Und der Papa kümmert sich solange um die Kleine? Lisa könnte ihre Idee mit der Mutter teilen und damit ihre eigenen Empfindungen ernst und wichtig nehmen.

Noch einmal mit Selbst-Mitgefühl

Am Beispiel von Lisa kannst Du sehen, wobei Dir die Notizen aus der Selbstcoaching-Einheit nützlich sein können. Deine niedergeschriebenen Gedanken und Gefühle können Dich darin unterstützen, zu mehr innerer Klarheit zu finden. Damit öffnest Du die Tür zu einem Phänomen, das wir in der Psychologie Selbst-Mitgefühl nennen.

Wenn Du Selbst-Mitgefühl entwickelst, kann Dir das dabei helfen, versöhnlicher mit Dir selbst zu sein. Wenn Du weißt, was Du fühlst und brauchst, kann es Dir leichter fallen, das auch nach außen zu vertreten. Damit steigt die Chance auf eine bessere Kommunikation mit den Menschen, die dir nahestehen. Klingt gut, oder?

Vermutlich ist es ungewohnt für Dich, so vorzugehen. Du hast wahrscheinlich gelernt, zuerst an die Anderen zu denken. Daran, wie es ihnen geht, was sie sich wünschen und brauchen. Dich mal an die erste Stelle zu setzen ist ein Geschenk, das Du Dir selbst machen kannst. Mit innerer Klarheit und Selbst-Mitgefühl tust Du Dir etwas Gutes. Und es wird noch besser: Jetzt hast Du eine gute Grundlage geschaffen, um auch Deiner Mutter ein passendes Geschenk zum Muttertag zu machen.

Übrigens kann es auch sein, dass Du mit dieser Vorgehensweise zu dem Schluss kommst, dass ein Geschenk gar nicht dran ist. Dass es erstmal darum geht, sich wieder anzunähern, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dann hast Du jetzt die Klarheit gefunden, wie der nächste Schritt aussieht. Und wenn Du noch unsicher bist, ist auch das ein Anfang: „Ich bin unsicher, was ich Dir zum Muttertag schenken könnte.“ Diese Selbstoffenbarung kann wie eine Brücke sein, die eure Distanz überwindet.

Ich wünsche Dir einen guten Muttertag!